Kundgebung in Lüchow am 22. Juli

Wendländische Initiativen gegen die umstrittene Masthaltung laden für Freitag (22.7.) um 17 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Lüchower Marktplatz ein. Dabei können sich Interessierte auch gründlich an einem Infotisch über die Thematik, die durch eine Bauplatzbesetzung in Schnega und die Selbstjustiz der Landwirte bei einer weiteren Besetzung in Teplingen an Brisanz gewonnen hat, informieren. Zusätzlich soll über eine Telefonschaltung Kontakt zum „Friedensritt“ hergestellt werden, der am selben Tag unter dem Motto „Kommt erst das Fressen und dann die Moral“ in Wietze startet. Dort ist Europas größter Schlachthof in Bau, der aus 6 Millionen Euro Steuergeldern mitfinanziert, jeden Tag 500.000 Hähnchen schlachten und u.a. aus Schnega und Teplingen beliefert werden soll.

Dabei sollen bei der von den TierschützerInnen angeprangerten Qualhaltung pro Mastdurchgang 39.900 Hähnchen in einer nur 1.800 qm Halle eingesperrt werden, also bis zu 26 Tieren pro qm. Im Jahr sind 7,5 Mastdurchläufe geplant. Dies bedeutet, dass fast 300.000 Tiere pro Jahr in der Halle gemästet werden sollen. Ein Mastdurchlauf dauert ca. 32 bis
38 Tage. In dieser Zeit legen die Küken, die durch den Bewegungsmangel schneller Fett ansetzen, bis zu 2,5 kg an Gewicht zu. Es wird damit gerechnet, dass bis zu 4 % der Tiere ihr Schlachtgewicht nicht erreichen und vorher verenden. Dies entspricht bis zu 1.596 Tieren pro Mastdurchgang oder fast 12.000 vorzeitig verendeten Tieren pro Jahr.

Laut Berechnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist bei stabiler Marktlage in einer 40.000er Anlage zur Hühnermast mit einem Gewinn zwischen 5 und 7 Eurocent pro geschlachtetem Tier zu rechnen. Neueste
Zahlen gehen von gerade einmal 3 Eurocent aus. Selbst diese niedrigen Margen werden in der Realität aber oft nicht erreicht: Ein Drittel der Betriebe mit Hühnermast schreiben in diesem Betriebszweig rote Zahlen.
WirtschaftswissenschaftlerInnen gehen davon aus, dass das gegenwärtige und zukünftige Wachstum in der Hühnerfleischproduktion den Bedarf des deutschen Marktes bei Weitem überschreiten werde, so dass in ca. fünf
Jahren 240.000 Tonnen Geflügelfleisch exportiert werden müssten. Solche Marktentwicklungen gehen mit einem Preisverfall einher, der den Mäster am schärfsten trifft. Die Landwirte geben ihre traditionelle Selbständigkeit auf und begeben sich als Agrarindustrielle in eine Abhängigkeit als purer Lieferant von Konzernen wie Rothkötter oder
Wiesenhof. Damit machen sie sich vertraglich zum Spielball der Konzerninteressen und der dadurch immer ruinöser werdenden Marktlage.

Die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner haben Belastungen wie eine erhöhte Keimbelastung, Geruchsbelastung und eine Wertminderung der Grundstücke zu tragen. Landschaft und Natur werden beeinträchtigt. Zu erwartende mögliche Beeinträchtigungen sind insbesondere: häufiger Verstoß gegen die artgerechte Tierhaltung und den Tierschutz, direkte
Betroffenheit derjenigen, die bereits unter Allergien, Hautkrankheiten oder Asthma leiden, deutliche Zunahme der Feinstaubbelastungen durch die Anlagen, erhöhte Geruchsbelästigung, Belastungen durch Lagerung und Ausbringung von Geflügelkot und -mist, Belastung des Grundwassers durch Gülleausbringung, zunehmende Ungezieferbelastung, Lärmemissionen durch Betrieb und Transporte, Verminderung der Wohnqualität und Wertverlust der Immobilien, Eingriffe in Natur und Landschaft in unverbauten Gebieten.


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