Statement einiger Angeklagter aus dem „Barchem 4“-Verfahren

Diese Zeilen sind für alle, die sich jemals hilflos und
ohnmächtig gefühlt haben angesichts eines Gegners, der
tausendfach größer ist, als man selbst.

In den letzten Jahren wuchs die Repression gegen
Befreiungsbewegungen. In unterschiedlichen Ländern rücken
die Behörden unterschiedliche Bewegungen in den Fokus, aber
eines ist allen Repressionsfällen gemein: Staat und
Regierung verteidigen die Ausbeuter, nicht die
Ausgebeuteten. Sie schützen die Täter, nicht die Opfer. Sie
schützen diejenigen, die vergewaltigen, morden und
versklaven. Nicht diejenigen, die gegen die Existenz der
Käfige kämpfen. Um dies zu bewerkstelligen, erlassen sie
neue Gesetze, setzen Spezialeinheiten der Polizei ein und
nutzen immer mehr und immer bessere Überwachungstechniken.

In diesem Fall trifft es die Tierbefreiungsbewegung. Wir,
die AutorInnen dieser Zeilen, sind einer Straftat
beschuldigt: Angeblich sollen wir im niederländischen Dorf
Barchem fast 5000 Nerze in aus ihren Käfigen freigelassen
haben, in denen sie ein Leben in Angst, Elend und
Gefangenschaft erlitten hätten, um schließlich ermordet und
zu einem Pelzmantel gemacht zu werden.

Aus diesem Grund erwartet uns am 25. und 27. September 2012
ein Prozess in Holland.

Wir werden keine weitere Worte zu dem spezifischen Fall
verlieren, da uns der Prozess noch bevor steht, aber wir
möchten unsere Perspektive zur Bewegung darlegen – darüber
was Repression mit ihr macht und was Repression wirklich für
uns bedeutet.

Wir müssen mit der Repression einen direkten und klaren
Umgang finden. Wir müssen sie erwarten, wir müssen uns auf
sie vorbereiten und wir müssen bereit sein, mit den
Konsequenzen umzugehen, die resultieren, wenn wir die
gegenwärtigen Verhältnisse in Frage stellen. Ohne dieses
Bewusstsein werden wir unsere Leben in Angst verbringen und
in keiner Weise effektiv kämpfen können. Repression wird aus
Effektivität geboren. Jede Handlung hat eine Reaktion.
Regierungen und Polizei schreiten ein, um effektive
Strategien, um unsere Ziele zu erreichen, zu stoppen. Wären
wir ineffektiv, so würde nichts geschehen, um uns zu
stoppen, da es die Herrschenden schlichtweg nicht kümmern würde.

Wir müssen mit der Repression umgehen, wenn wir wirklich
einen sozialen Kampf etablieren wollen, der eine
tatsächliche Veränderung herbeiführen kann. Repression und
sozialer Wandel sind im Wesentlich zwei Seiten der gleichen
Medaille. Die schlechteste Reaktion auf Repression ist es,
verängstigt davon zu laufen. Hieraus speist die Repression
ihre Kraft. Wir als Bewegung entscheiden, wie wir auf
Repression reagieren und ob wir ihr erlauben können, dass
sie uns beeinflusst oder nicht. Mit den Kampagnen
weiterzumachen, die sie stoppen wollen, ist der absolut
beste Weg, die Repression zu bekämpfen. Steht wieder auf und
schlagt härter und besser zurück, seit organisierter,
stärker und besser vorbereitet. Erwartet Repression und geht
mit ihr um, um ihren Einfluss zu verringern. Lernt aus den
Fehlern anderer und stärkt unsere Strategien. Andernfalls
geben wir den Herrschenden den Fahrplan in die Hand, wie sie
auch jede andere Form des Widerstands in jeder anderen
Bewegung niedertrampeln können.

Dies ist ihre Arbeitsweise: Sie treffen einen von uns, um
Tausenden eine Lehre zu erteilen. Das ist das eigentliche
Ziel von Festnahmen und Hausdurchsuchungen, von Isolation
und Gefangenschaft. Es ist ihre wichtigste Waffe: Uns die
Angst einzutrichtern, um uns harmlos zu machen und uns zum
Schweigen zu bringen.

Aus diesem Grund möchten wir, während wir auf unseren
Prozess warten, alle daran erinnern, dass auch wir unsere
Waffe haben. Es ist eine stärkere Waffe als ihre, weil sie
aus Mitgefühl und Wut gebaut wurde. Sie fußt auf unserem
Engagement und auf der Aufrichtigkeit zwischen Menschen, die
das gleiche Gefühl von Dringlichkeit teilen: Sie nennt sich
Solidarität.

Solidarität bedeutet, sich gegenseitig in schweren Zeiten zu
unterstützen, aber auch zurückzuschlagen und weder unsere
Angst Überhand gewinnen zu lassen, noch uns vor unserem
Aktivismus abzuhalten.

Sie bedeutet, als Bewegung zusammenzuhalten, mit all unseren
Stärken und Fähigkeiten. Und zu guter Letzt, auf Grund
unseres gemeinsamen Ziels zusammenzustehen: Das Ende der
rücksichtslosen Ausbeutung unserer Mitlebewesen und des
Planeten, auf dem wir alle leben.
Solidarität ist der Schlüssel, um jeden sozialen Kampf am
Leben zu halten und eine Bewegung aufzubauen, die sie
niemals zerschlagen können.

Weil niemand frei ist, solange nicht ALLE frei sind.

Einige Angeklagte des „Barchem 4“-Verfahrens.

Lest mehr auf: http://www.svat.nl/barchem4/en/index.html

(Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt)

http://www.tierbefreiung-hamburg.org/archives/1394


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