Eine Gegendarstellung zur Herrschenden Medienberichterstattung

Feige Anschläge und Sachliche Dialoge.

In den frühen Morgenstunden brannten drei Mastanlagen bis auf ihre Grundmauern nieder.
Über die Gründe lässt sich momentan nur spekulieren aber schenkt mensch den Berichten von Betreibern der Anlagen, Polizei und der Feuerwehr glauben dann sieht es wohl so aus, als ob Menschen diese Fabriken angezündet hätten. Was sie dazu veranlasste lässt sich ebenfalls nur spekulieren. Fakt ist, dass es hin und wieder Brände in Mastanlagen gibt. Oft ergaben Ermittlungen der Polizei, dass es sich dabei um Unfälle handelte bei denen auch oft Tiere ums leben kamen. Paradoxerweise gingen hier -wie auch bei Unfällen von Tiertransportern- Diskurse von Betroffenheit durch die Bürgerlichen Meiden. Betroffen von der Nachricht das irgendwo 1000 Schweine sterben?

Bei anderen Bränden wird von einen „Fremdverschulden“ ausgegangen. Bisher ereigneten sich die Brände kurz vor „Produktionsbeginn“. In Meppen brannte es am 22.11.2012 zwischen zwei „Mastperioden“. Dazu äußert sich Heinrich Tegeder, Betreiber einer der abgebrannten Mastanlagen in Meppen in einen Interview mit den NDR folgendermaßen: „Ich denke, wenn das Tierschützer gewesen sind, die stecken ja keine Ställe an wo Tiere drin sind …“.
Gründe, weswegen Menschen dieses Mittel innerhalb der politischen Auseinandersetzungen mit einer „Tiere ausbeutenden Gesellschaft“ angewendet haben wurden in einigen „Bekenner_innenschreiben“ verdeutlicht.

„Der psychische Druck und der finanzielle Schaden, der auf der_den Besitzer_in lastet ist uns bewusst. Dies steht aber in keinem Verhältnis gegenüber den Qualen, die die Hähnchen dort erleiden müssten. Alle Versuche die Mastanlage wieder aufzubauen um Profit auf Kosten von Individuen zu machen werden wir zu verhindern wissen! Solange nichtmenschliche Tiere der Herrschaft der Menschen unterworfen sind, bleiben sämtliche Tierausbeutungsbetriebe Ziele solcher und ähnlicher Aktionen. Auch sollte diese Aktion zeigen, dass Tierausbeutung direkt angegangen werden kann.“
Aus den Bekenner_innenschreiben nach den Brandanschlag auf eine Mastanlage in Sprötze

„Wir haben uns für dieses Ziel entschieden, weil die Haltung und Tötung von Individuen und die ökologischen und sozialen Folgen – von Gen-Soja-Anbau mit Totalherbiziden und Regenwaldabholzung über Grundwasserverseuchung zu subventionierten Hähnchenteil-Exporten – verhindert werden sollte.“
Aus den Bekenner_innenschreiben nach den Brandanschlag auf eine Mastanlage in Alvesse/Vechelde

„wir sind wütend! tiere werden ausgebeutet, eingesperrt, gequält und ermordet. deshalb haben wir in der nacht auf den 8. oktober feuer an dem im bau befindlichen hühnermaststall bei mehrum gelegt. dass massentierhaltung mit tierquälerei verbunden ist, wissen die meisten menschen. uns ist wichtig, dass die verwerflichkeit von nutztierhaltung an sich erkannt und gegen diese direkt vorgegangen wird. wir müssen uns aus der ohnmacht befreien, die uns durch legalitätsdenken auferlegt wird. aktiver widerstand ist wichtig, möglich und nötig.“
Aus den Bekenner_innenschreiben nach den versuchten Brandanschlag auf eine Mastanlage in Mehrum

„Über 3000 m² Dach ebenso Opfer der Flamen wie eine Fotovotalk Anlage“ , „Der Einzige … Trost Menschen oder Tieren ist dieses mal nichts passiert“ wird in einen NDR Video berichtet.
An einen Ort, an welchem ohne den Brand sonst 60 000 Hühner auf engsten Raum in ihren Exkrementen dahin vegetieren würden. Gezüchtet um in kürzester Zeit soviel Fett wie möglich anzusetzen, nur um einige Wochen später in einer Schlachtfabrik getötet zu werden.

Noch abstruser versucht Wilhelm Hoffrogge (Vorsitzender der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) und Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft) Mastanlagenbetreiber als Opfer von einseitiger und feiger Gewalt darzustellen.
„Dies ist ein krimineller und feiger Akt, der mit einer legitimen gesellschaftlichen Auseinandersetzung überhaubt nichts mehr zu tun hat.“ und „Wir als Geflügelhalter wollen einen vernünftigen Dialog und suchen ihn sogar, wir haben überhaupt nichts gegen eine in der Sache harte Auseinandersetzung!“ Hier wird also versucht zwei Fronten aufzumachen auf der einen Seite die kriminellen und feigen die Handlungen verüben die von der normativen und allgemeingültigen legitimität abweichen und auf der anderen Seite die vernünftigen und sachlichen Geflügelhalter die -und das ist ganz wichtig- eigentlich nichts gegen harte Auseinandersetzungen haben, wenn sie denn ehrlich, vernünftig und sachlich ausgetragen werden und sie diese Begriffe definieren können.

Interessant ist das Michael Hettwer als Sprecher des Landesnetzwerk Niedersachsen Bauernhöfe statt Agrarfabriken eine ähnliche Position bezieht: „Auseinandersetzung um die Agrarfabriken werden sicherlich mit harten Bandagen geführt, sie darf jedoch nie den Boden der Rechtsstaatlichkeit verlassen“ und
„Straftaten sind – egal von welcher Seite – kein Mittel im berechtigten Kampf gegen Agrarfabriken.“ Auch hier wird betont das die vernünftige Auseinandersetzung um die Agrarfabriken hart geführt, aber die Rechtsstaatlichkeit nicht verlassen werden dürfe.
Hier geht es nicht einmal mehr darum ob eine Aktion unter die vorherrschenden Definition von Gewalt fällt damit sie gut oder schlecht ist, sondern ob sie als Straftat bezeichnet wird oder nicht.
Wie Michael Hettwer zu diesem Bewertungskriterium kommt verschweigt er uns.

Dies zeigt deutlich wie die Ideologie der Rechtsstaatlichkeit in dieser Gesellschaft verwurzelt ist. Auch wenn die Zustände in diesen Anlagen von vielen als nicht in Ordnung erklärt werden und mensch Tieren das Empfinden von Leid zu spricht, wird die Zerstörung der Tierausbeutenden Infrastruktur als gewalttätiger wahrgenommen, als das Einsperren und Töten von Tieren.
Begründet wird dies damit, dass das eine den rechtsstaatlichen Rahmen überschreitet und das andere nicht.

Ich denke politische/gesellschaftliche Auseinandersetzungen sollten mit anderen Bewertungskriterien untersucht werden als mit den Konstrukten legal/illegal.
z.B. Ob die politische Aktion eine Außenvermittlung hat, wen erreicht sie wie und mit welchen Positionen? Oder sind die Eingriffe in den Alltag von Menschen, die jede Aktion (auch die gewaltfreie/rechtsstaatliche!) mit sich bringt, angemessen und sichtbar begründet?

Nicht vergessen werden darf das der Rechtsstaat in einer kapitalistisch organisierten Gesellschaft nicht den Interessen von Menschlichen oder Nichtmenschlichen Tieren schützen soll. Sondern die Verwertung und Vermarktung von Waren und Kapital.


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