„Hausfriedensbruch“-Prozess gegen Tierbefreiungsaktivisten in Celle


Künstler: Hartmut Kiewert Quelle: linksunten.indymedia.org

am 16.01.2013 09 Uhr
Im Saal 144
Amtsgericht Celle

Angesetzter Folgetermin: 23.01.2013 09.00 Uhr

Dem Tierbefreiungsaktivisten Karl-C. wird vorgeworfen, am 23.05.2012 mit anderen Aktivist_innen eine sogenannte Anhörung zum geplanten Neubau von zwei Mastanlagen im Kreis Celle „gestört“ und Aufforderungen den Saal zu verlassen nicht Folge geleistet zu haben.
Hier der Aktionsbericht:

Gegen die Vorverurteilung durch einen Strafbefehl in Höhe von 10 Tagessätzen legte er Widerspruch ein, so dass darüber nun öffentlich verhandelt wird.

Karl C. wird diesen Prozess offensiv und politisch führen. Ihr seid alle eingeladen euch an dem Spektakel zu beteiligen …

Aktionen vor während und nach der Verhandlung sind gern gesehen.

Für eine Welt ohne Knäste, Tierausbeutung und strukturelle Diskriminierung.
Für ein herrschaftsfreies Leben für alle!

Falls ihr Schlafplätze in Celle benötigt, meldet euch doch unter: criticalmast@riseup.net

Mehr Berichte zu u.a. Aktionen während der „Criticalmast Aktionsfahrradtour“ findet ihr unter criticalmast.blogsport.de

Der politische Hintergrund:
„50 Milliarden „Nutztiere“, plus ca. 140 Millionen Tonnen Fische und andere Meerestiere (hier werden die einzelnen Individuen gar nicht erst gezählt) werden jedes Jahr geschlachtet. Allein in Deutschland sind es pro Jahr ca. 500 Millionen geschlachtete „Nutztiere“. Der größte Teil landet in den Mägen der Menschen, welche die so genannte „erste Welt“ bewohnen. Ein_e durchschnittliche_r Deutsche_r „verbraucht“ im Laufe seines/ihres Lebens ca. 46 Schweine, 4 Rinder, vier Schafe, 945 Hühner sowie etwas Wild für seinen/ihren Fleischgenuss. Dabei stammen 98 % des Fleisches aus Massentierhaltung.“1

Diese Zahlen stehen für eine unfassbare Zuspitzung des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier. Tiere werden zu Objekten gemacht, zu ausbeutbaren Ressourcen, zu auf dem Markt verwertbaren Waren. Mastanlagen stehen leider nur exemplarisch für viele andere Orte in unserer Gesellschaft, in denen die Bedürfnisse von Tieren systematisch missachtet werden.

Auch Bedürfnisse vieler Menschen müssen den Interessen von Profit und Verwertung weichen: so werden Kleinbäuer_innen in Lateinamerika und Asien vertrieben und Regenwälder gerodet, um Soja für die Futtermittel anzubauen. Millionen von Menschen müssen wegen der Folgen des Klimawandels fliehen. Nach einer Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) trägt die Tierausbeutung für den Konsum von Fleisch, Milch und Eiern mehr zu der Globalen Erwärmung bei als der gesamte Verkehrssektor. Nach Studien des Robert Koch Institutes starben im Jahr 2009 ca. 40.000 Menschen in Deutschland an den Folgen der Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen. In Tierfabriken müssen Tausende von Tieren auf engsten Raum unter katastrophalen Hygienischen Bedingungen leben. Diese Umstände führen zu einer massenhaften Verbreitung von Krankheiten, die in der Regel mit Antibiotika bekämpft werden. Die Keime entwickeln Resistenzen dagegen und verbreiten sich u. a. durch die Luft auch auf Menschen.

All diese Phänomene stehen nicht exemplarisch für die industrielle Tierhaltung, sondern sind vielmehr Ausdruck einer kapitalistischen und herrschaftsförmigen Gesellschaft und sollten aus diesen Kontext heraus analysiert und bekämpft werden.

Seit einigen Jahren bläst vor allem dem Gefügelkonzern Rothkötter mit seinem Schlachthof in Wietze (kleiner Ort bei Celle) und den dafür benötigten Zulieferbetrieben Widerstand entgegen. In Wietze selber gründete sich die größte Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Deutschland. An vielen Orten, wo Mastanlagen für diese Schlachtfabrik gebaut werden, gründen sich ebenfalls Bürger_innentiativen, um öffentlich und juristisch gegen diese vorzugehen. Es kam zu mehreren Besetzungen, welche meistens von unabhängigen Aktivist_innen durchgeführt wurden. Auch Brandanschläge gegen Mastanlagen, bei denen weder Menschen noch Tiere verletzt wurden, prägen den Widerstand.
Im Mai diesen Jahres machten sich mehrere unabhängige Aktivist_innen mit Fahrrädern für 3 Wochen auf den Weg und errichteten an mehreren Orten, wo Zulieferbetriebe für die Schlachtfabrik in Betrieb genommen wurden oder sich in Planung befanden, Camps. Die Camps dienten zum Austausch von Inhalten und waren Ausgangspunkt von einigen Aktionen. Höhepunkt der „Critical Mast Aktionsfahrradtour“ war das Camp vom 22. bis 28. in Wietze.

Wem nützt die von oben konstruierte und durchgesetze Ordnung? Was hat der Staat mit der Ausbeutung von Tieren und Menschen zu tun? Warum werden in dem System, in dem wir leben, Regenwälder gerodet, Menschen vertrieben, Flüsse vergiftet und Tiere benutzt?

Karl C. wird diesen Prozess offensiv und politisch führen und versuchen u. a. diesen Fragen nachzugehen. (Auch wenn wir sie dort bestimmt nicht abschließend klären werden.) Ihr seid alle eingeladen, euch an den Spektakel zu beteiligen, kreativ viele Antworten zu finden und neue Fragen in den Raum zu werfen …

1 Quelle: http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article112666208/Fleischatlas-Jeder-Deutsche-isst-im-Leben-1094-Tiere.html


1 Antwort auf „„Hausfriedensbruch“-Prozess gegen Tierbefreiungsaktivisten in Celle“


  1. 1 Protest von Tierbefreiungsaktivist_innen im Celler Bauamt « Anti Industry Farm Pingback am 15. Januar 2013 um 13:18 Uhr

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