Protest von Tierbefreiungsaktivist_innen im Celler Bauamt

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Pressemitteilung, 15. Januar 2013

Dieselbe Behörde, die im Landkreis Celle Mastanlagen für die Schlachtfabrik in Wietze genehmigt, unterdrückt den Widerstand gegen die Tierhaltungsindustrie, indem sie Aktivist_innen kriminalisiert.
Deshalb haben heute Vormittag mehrere Tierbefreiungsaktivist_innen in einem Büro des Amtes für Wirtschaftsförderung, Bauen und Kreisentwicklung in Celle protestiert. Sie verklebten Fotos von Hühnern, die das Leid in Mastanlagen dokumentieren. Zudem verteilten sie im Gebäude tausende kleine Zettel mit Botschaften wie z. B. „Hier wird lebenslange Gefangenschaft genehmigt“, „Hier wird Widerstand bestraft“ und „Tiere wollen leben“.

Vitrine im Flur

In dieser Behörde wurden in der Vergangenheit wiederholt Bauanträge für Mastanlagen trotz zahlreicher Proteste durchgewunken. Dies hat eine längere Vorgeschichte:
„Wir werden mehr Steuern einnehmen. Das ist wichtig angesichts der Defizite in den öffentlichen Haushalten“, sagte Klaus Wiswe, seit 1999 Landrat im Landkreis Celle, als er sich vor einigen Jahren für den Bau von Rothkötters Schlachtfabrik in Wietze entschied und damit, wie im Kapitalismus üblich, wirtschaftliche Interessen über die Bedürfnisse und Empfindungen von Tieren und Menschen stellte.1 Dass der Bau des Schlachthofs auch den Bau etlicher Mastanlagen in der Region nach sich ziehen würde, war dem Landrat bewusst. Vor diesem Hintergrund ist es höchstens die halbe Wahrheit, wenn der Verantwortliche des Bauamts, Gerald Höhl, die Genehmigung von Mastanlagen als behördlichen Automatismus darstellt: „Ein Landwirt darf eine Hähnchenmast errichten, wenn das Bauvorhaben im Zusammenhang mit seinem Betrieb steht.“ 2 Fakt ist dagegen, dass Schlachtfabrik und Mastanlagen vom Landkreis gewollt und gefördert wurden.

Höhl selbst ließ außerdem im Mai 2012 keinen Zweifel daran, auf welcher Seite er steht: Bei einem Erörterungstermin beim Landkreis Celle zum Bau zweier Mastanlagen in Wienhausen-Bockelskamp, die aufgrund zahlreicher Einwendungen gegen das Vorhaben stattfand, ließ Höhl protestierende Aktivist_innen von der Polizei aus dem Saal räumen.3 Einer von ihnen, Karl-C. Linde, ist nun wegen Hausfriedensbruchs angeklagt und steht morgen (Mittwoch, 16. Januar) in Celle vor Gericht.4

„An Bau und Aufrechterhaltung von Mastanlagen und Schlachthöfen sind viele Menschen direkt und indirekt beteiligt. Sie alle haben Möglichkeiten, sich gegen diese Projekte zu stellen, sie zu verzögern, zu behindern und die Proteste zu unterstützen. Stattdessen machen sich viele – darunter die Mitarbeiter_innen des Celler Bauamts – freiwillig zu Verbündeten eines Systems, das die Ausbeutung und Ermordung von Millionen empfindungsfähigen Lebewesen ermöglicht und gegen berechtigte Kritik mit Polizei- und Justizgewalt vorgeht.“
(Nina, eine der Aktivist_innen)

Botschaftenschnipsel im Flur

„Selbst wenn der Landkreis Celle und seine Vertreter_innen Tierfabriken genehmigen müssten, weil die Gesetze ihnen angeblich keine andere Wahl ließen, könnten sie sich nicht freisprechen von der Mitverantwortung für das Leid und den Tod von tausenden Tieren, Umweltzerstörung, Vertreibung unterschiedlichster Lebewesen und die Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen. Eine verantwortungsvolle Schlussfolgerung wäre die sofortige Abschaffung aller Tierfabriken, Behörden sowie aller anderen Herrschaftsinstitutionen und die Schaffung einer Gesellschaft, in der die Bedürfnisse aller Individuen respektiert werden und die Menschen sich dazu befähigen, selber zu denken und eigene Entscheidungen zu treffen.“
(Clara, eine der Aktivist_innen)

„Wir haben uns auch für diese Aktion entschieden, um praktische Solidarität mit zwei aktuell von Repression betroffenen Tierbefreiungsaktivist_innen zu zeigen: Zum einen Isabell Jahnke, die gerade eine 20-tägige Haftstrafe in der JVA Hildesheim absitzen muss, weil sie im Sommer 2009 zusammen mit anderen Aktivist_innen das Gelände eines Tierversuchslabors der Firma Boehringer-Ingelheim in Hannover besetzt haben soll. Des Weiteren Karl-C. Linde, der am Mittwoch um 9 Uhr wegen Hausfriedensbruch vor Gericht in Celle steht, weil ihn vorgeworfen wird, letztes Jahr am 23. Mai einen Erörterungstermin zu dem Bau zweier Mastanlagen im Landkreis Celle mit anderen Aktivist_innen gestört zu haben. Ein weiterer Prozesstag ist für Mittwoch, den 23. Januar, ebenfalls für 9 Uhr anberaumt. Wir wollen mit dieser Aktion aber auch unsere Solidarität mit allen eingesperrten Individuen zeigen. Für eine Welt ohne (Tier-)Ausbeutung, Umweltzerstörung, Knäste und Strafen!“
(Bernd, einer der Protestierenden)

Beim Ankleben

1 http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Protest-gegen-Haehnchenstaelle-und-Schlachthof-wird-zum-Alltag/Celles-Landrat-Wiswe-fuer-Schlachthof-in-Wietze

2 http://www.wietze-info.de/node/2600

3 http://criticalmast.blogsport.de/2012/05/24/wir-lassen-uns-unseren-protest-nicht-verbieten-proteste-bei-anhoerung-zu-zwei-neu-geplanten-mastanlagen-in-celle7

4 http://antiindustryfarm.blogsport.de/2013/01/02/hausfriedensbruch-prozess-gegen-tierbefreiungsaktivisten-in-celle/

Bürotüren


9 Antworten auf „Protest von Tierbefreiungsaktivist_innen im Celler Bauamt“


  1. 1 Realitätsfern 15. Januar 2013 um 13:46 Uhr

    Glaubt ihr das eigentlich selbst, was ihr da schreibt?

  2. 2 antiindustryfarm 16. Januar 2013 um 0:05 Uhr

    Ja — aber was genau meinst du?

  3. 3 Anonym 16. Januar 2013 um 0:05 Uhr

    Irgendwie bekommt man beim Lesen hier den Eindruck, als wäre so manch einer der Autoren als Kind zu heiß gebadet worden!
    Meiner Meinung nach realitätsferner Unfug, den ihr selbsternannten Weltverbesserer da von euch gebt.

  4. 4 Dominik 16. Januar 2013 um 9:33 Uhr

    Eine tolle Aktion – es sollte viel mehr Menschen geben, die aktiv gegen die Agrarindustrie mit ihren Tier-Gulags opponieren! Dazu ist manchmal auch ziviler ungehorsam nötig, wie von Martin Balluch in „Widerstand in der Demokratie“ hervorragend beschrieben.

    Menschen, die dumme Sprüche gegen Aktivisten loslassen, sind doch meist die, die selbst den Arsch nicht hochbekommen um sich für eine gerechte Sache einzusetzen – die Mitläufer. Aber Hauptsache vom warmen Sessel aus stänkern.

  5. 5 Annemarie Erdmann 16. Januar 2013 um 11:36 Uhr

    Gute Aktion !

    Ich wünsche den Adressaten genügend Überblickswissen , Durchsetzungsvermögen , Verantwortungsgefühl , Empathie und arbeitswillige Kollegen !

  6. 6 Johanna 16. Januar 2013 um 17:18 Uhr

    danke, es braucht mehr solcher aktionen!

    gewaltfrei, aber nervig :-) .

  7. 7 Philipp 17. Januar 2013 um 14:33 Uhr

    Sich politisch auf diese Weise zu äußern ist das Gegenteil von realitätsfern, also gute Aktion

  8. 8 Grosse Mauer, Altenhagen 17. Januar 2013 um 21:13 Uhr

    Sitze gerade in der Grossen Mauer. Hätten die 98 und die 114.
    Die müsst ihr mal probieren.

    Ich bin ja total für regionale Küche.
    Macht mal weiter so und zerstört Arbeitsplätze. Denkt mal an die Bäume und der Chemie bei einer solchen Aktion. Umweltschutz kennt ihr nicht.

  1. 1 Freispruch für Tierbefreiungsaktivisten in Lüneburg « Anti Industry Farm Pingback am 26. Juli 2013 um 12:22 Uhr

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