Kein Fleischgericht!

Prozess gegen acht mutmaßliche Wiesenhof-Blockierer_innen – Spitzel als Zeuge geladen

Presseerklärung

Nienburg – Am 12. Juli 2013 blockierten zehn Tierbefreiungsaktivist_innen drei Fleischtranspor­ter vor Wiesenhofs Schlachtfabrik in Holte/Wietzen. Fast ein Jahr später werden nun acht der Blockierenden vor dem Amtsgericht in Nienburg erscheinen. Für kommenden Donnerstag, den 08. Mai 2014, um 8.00 Uhr und um 10.00 Uhr wurden Prozesstermine gegen jeweils vier Aktivist_innen veranschlagt – vorgeworfen wird ihnen Hausfriedensbruch. Die Angeklagten ge­hen davon aus, dass das Verfahren nicht nur deshalb viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird, weil hier erneut ein Agrarkonzern in Kooperation mit dem Staat gegen seine politischen Gegner_innen vorgeht – der Konzern Wiesenhof, der für seine Profitmaximierung die Unter­drückung und Tötung der Tiere in seinen Mastanlagen bzw. in der Schlachtfabrik bis ins Extrem steigerte, die Arbeiter_innen in den Schlachthallen durch Billiglöhne und schlechte Arbeitsbedin­gungen ausbeutet, den Agrarmarkt in den weniger reichen Ländern mit seinen Exporten be­herrscht und schädigt und die Natur zerstört. Interessant wird ihrer Ansicht nach der Prozess auch dadurch, dass möglicherweise der LKA Spitzel Ralf Gross im Zeugenstand erscheinen wird, der an der Aktion beteiligt war und durch die Ange­klagten geladen wurde.

Etwa sechs Stunden wurden damals drei Fleischtransporter daran gehindert, die getöteten Tiere auszuliefern und damit in den Verkauf zu bringen. Mehrere Aktivist_innen hatten mit Transparen­ten die Dächer der Transporter besetzt, weitere standen in der Nähe – unter ihnen der Spitzel Ralf Gross. Die Aktion fand damals parallel zu einem Aktionscamp statt, das sich gegen die Schlachtfa­brik und deren anstehenden Ausbau richtete. Wiesenhof plant derzeit die Anzahl der geschlachte­ten Tiere von 140.000 auf 250.000 pro Tag zu steigern. Neben einer Klage von Anwohner_innen, hatte es in der Vergangenheit verschiedene Aktionen gegen das Vorhaben gegeben, viele davon im Rahmen der Wietze/n Kampagne – eine Kampagne die sich gegen die Schlachtfabrik von Rothköt­ter in Wietze bei Celle und gegen die Wiesenhof-Schlachtanlage in Wietzen richtet.

„Die Aktion fand damals statt, um das alltäglichen Töten zu stören und die Verwertungsmaschine ins Stocken zu bringen, die so viel Gewalt und Leid verursacht. Ebenso wie der Einsatz eines LKA Spitzels, zeigt dieser Prozess, mit welchen Mitteln die Interessen der Tierausbeutungsindustrie durch den Staat verteidigt werden“, kommentiert eine Angeklagte den Prozess. Die deutsche Fleischindustrie ist führend in Europa mit Blick auf das Kapital, das durch sie angehäuft wird. Wie­senhof ist nach Auskunft der angeklagten Tierbefreier_innen einer der großen Profiteure der
kapi­talistischen Ausbeutungspolitik. Dieser Profit sei durch die Proteste der emanzipatorischen Bewe­gungen gefährdet, die für die Befreiung von Mensch, Tier und Natur kämpfen und die gesellschaft­lichen Verhältnisse zu überwinden suchen, die Leid, Not und Elend für Viele und Reichtum für die herrschende Klasse produzieren. Seit Anbeginn versucht diese darum, die Erfolge der progressiven Bewegungen zu verhindern, z.B. auch durch den Einsatz von V-Leuten.

Ralf Gross, der für knapp 1,5 Jahre den Widerstand gegen Schlachtfabriken in Niedersachsen aus­spähte, wurde letztes Jahr durch die Aktivist_innen enttarnt und sorgte im Januar diesen Jahres in Norddeutschland für Schlagzeilen. Gross nahm an der Aktion teil und wurde von den Angeklagten als Zeuge geladen. Einer der Angeklagten sagt hierzu: „Da dieses Verfahren Teil der Repression von Staat und Kapital gegen die Tierbefreiungsbewegung ist, wollen wir Aktivist_innen diesen politi­schen Prozess in unsere gesellschaftspolitische Arbeit integrieren. Wir werden versuchen, vor Ge­richt die Möglichkeiten zu verteidigen, diese Gesellschaft politisch mitzugestalten und die Schlachthofgesellschaft in eine friedliche und freie Gesellschaft umzuwandeln.“

Wietze/n-Kampagne


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