Chro­nik:

Ralf Gross‘ Tä­tig­keit in der Szene

Diese Auf­stel­lung ist nach Wis­sens­stand der Au­to­r_in­nen um­fas­send. Soll­ten an­de­re Per­so­nen oder Grup­pen Ralf be­geg­net sein und noch etwas zu er­gän­zen haben, schreibt bitte eine Nach­richt an: Kam­pa­gnen­bue­ro-​BS(at)riseup.​net

Auf­ge­taucht ist Gross erst­mals am 22.​03.​2012 im Bre­mer Siel­wall­haus zu einem Vor­trag über „Eu­ro­pas größ­te Hüh­ner­schlacht­fa­brik in Wiet­ze bei Celle“. Er fer­tig­te heim­lich einen Mit­schnitt des Vor­trags an, den er von sei­nem E-​Mail-​Kon­to an Fritz.​fuchs24@​yahoo.​de schick­te.

Wäh­rend des Vor­trags wurde für einen Ge­richts­pro­zess wegen der Be­set­zung des Bau­ge­län­des in Wiet­ze mo­bi­li­siert, der am 19.​04.’12 in Celle statt­fand. Gross nahm als ver­meint­lich so­li­da­ri­scher Zu­schau­er an die­sem und zahl­rei­chen wei­te­ren Straf­pro­zes­sen teil.
So war er am 25.​04., 17.​10., 5.​11. und 26.​11.’12 als „Un­ter­stüt­zer“ bei Pro­zes­sen wegen einer Blo­cka­de des Wend­land­cas­tors 2010 vor den Amts­ge­rich­ten Bad Oeyn­hau­sen und Celle, am 29.​05.’12 bei einem Wi­der­stands­pro­zess in Braun­schweig, am 16. und 23.​01.​2013 in Celle beim Pro­zess wegen der an­geb­li­chen Stö­rung einer so­ge­nann­ten An­hö­rung zum Neu­bau zwei­er Mast­an­la­gen, am 21.​05.’13 beim Pro­zess gegen eine An­ti-​Atom-​Ak­ti­vis­tin in Ha­meln, am 18.​07.’13 bei dem Haus­frie­dens­bruch-​Be­ru­fungs­ver­fah­ren wegen der an­geb­li­chen Stö­rung in Lü­ne­burg und am 8.​10.’13 ein wei­te­res Mal in Braun­schweig beim Pro­zess gegen Ak­ti­ve der Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne wegen Po­li­zei und Jus­tiz­über­grif­fen dabei.

Gross nahm an der „Cri­ti­cal Mast“-​Ak­ti­ons­fahr­rad­tour gegen Tier­fa­bri­ken teil, die vom 05 – 28.​05.​2012 durch Nie­der­sach­sen führ­te. Im Vor­feld hatte er an­ge­bo­ten, Ma­te­ri­al zu or­ga­ni­sie­ren und zu fah­ren. Die­ses An­ge­bot wurde dan­kend an­ge­nom­men. Er war ein paar Tage in Kö­nigs­horst, kurz in Celle und ei­ni­ge Tage in Wiet­ze. Er be­tei­lig­te sich u.a. an der De­mons­tra­ti­on am 26.​05. in Wiet­ze (siehe Foto).

Am 27.​08.​2012 war er beim Som­mer­fest der IGIT (In­itia­ti­ve gegen In­dus­tri­el­le Tier­hal­tung im Wend­land), wo er schein­bar zu­fäl­lig zwei Ak­ti­ve der Wiet­ze/n Kam­pa­gne traf. Vom 28.​09. – 03.​10. fuhr er ge­mein­sam mit ein paar Ak­ti­ven der Kam­pa­gne zu den Ak­ti­ons­ta­gen gegen Koh­le­ab­bau im Ham­ba­cher Forst.

Am 23.​11.​2012, am Mor­gen nach dem nächt­li­chen Brand­an­schlag auf drei Roth­köt­ter-​Mast­an­la­gen in Mep­pen, rief Gross einen Ak­ti­ven der Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne an und frag­te u.a. ob er gut ge­schla­fen habe (was schon ko­misch auf­fiel).

Vom 14-16.​12.​2013 nahm Gross an einem Straf­pro­zess­trai­ning in Braun­schweig teil. Das Trai­ning soll­te u.a. zur Vor­be­rei­tung auf mög­li­che Straf­pro­zes­se wegen der „Cri­ti­cal Mast“ die­nen und wurde von drei Ak­ti­ven der Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne ge­ge­ben. Seit dem Trai­ning war er mit sei­ner Mail-​Adres­se „alf-das-huhn@​web.​de“ auf der An­ti­rep­netz-​Mai­ling­lis­te dabei. Die Liste dient ver­schie­de­nen Ak­ti­vis­t_in­nen zum Aus­tausch über Hand­lungs­stra­te­gi­en gegen Re­pres­si­on. Gross lei­te­te etwa ein Dut­zend E-​Mails an die immer glei­che yahoo.​de Adres­se („Fritz Fuchs 24“) wei­ter. Einen Teil die­ser Mails ver­sah er mit An­mer­kun­gen und Fra­gen zu kon­kre­ten Per­so­nen. Etwa mut­maß­te er am 20.​3.​2013, ob es sich bei zwei Men­schen mit sehr ähn­li­chen Vor­na­men um ein und die­sel­be Per­son han­de­le; am sel­ben Tag wies er auch auf die „viel­leicht in­ter­es­san­ten“ Kon­takt­da­ten in einer wei­ter­ge­lei­te­ten Mail von der An­ti­rep­netz-​Lis­te hin. Am 10.​5.​2013 lei­te­te er die Info wei­ter, wer bei einem be­stimm­ten Ver­fah­ren die Lai­en­ver­tei­di­gung über­neh­me und merk­te an: „für mich wäre jetzt gut zu wis­sen, wer denn die An­ge­klag­ten sind“.

Am 15.​03.​2013 fuhr Gross einen Re­fe­ren­ten und eine wei­te­re Per­son aus Braun­schweig zum Café Knall­hart in Ham­burg zum dort statt­fin­den­den Vor­trag zum Sys­tem der Hüh­ner­hal­tung. Gross hatte im Vor­feld die Fahrt an­ge­bo­ten, weil er sich mit Ak­ti­vis­t_in­nen aus Ham­burg „ver­net­zen“ wolle.

Am 25.​03.​2013 be­tei­lig­te sich Gross an der Demo gegen die IFFA („In­ter­na­tio­na­le fleisch­wirt­schaft­li­che Fach­aus­stel­lung“) in Frank­furt am Main.

Am 27. oder 28. 03.​2013 tauch­te Gross schein­bar zu­fäl­lig im Nexus (Kul­tur Zen­trum in Braun­schweig) auf, bekam mit, dass Leute ein Auto brauch­ten um sich den Schlacht­hof in Wiet­zen an­zu­schau­en und nach einem ge­eig­ne­ten Camp Ge­län­de um­zu­schau­en und bot ihnen an, sie zu fah­ren. We­ni­ge Tagen spä­ter be­glei­te­te er sie auf der Tour.

Am 13.​04.​2013 fuhr Gross mit Ak­ti­ven der Wiet­ze/n und der Kam­pa­gne gegen Ver­such­stier­trans­po­re von Air Fran­ce/KLM zu deren Info­stän­den beim „Vegan Spring“ in Han­no­ver.

Wie er selbst un­mit­tel­bar da­nach er­zähl­te, nahm Gross am 31.​05.​2013 an einer In­fo­ver­an­stal­tung im An­ti­fa-​Café Braun­schweig teil. Thema war der be­vor­ste­hen­de Na­zi­auf­marsch in Wolfs­burg; ihn hatte nach ei­ge­nem Be­kun­den vor allem die Or­ga­ni­sa­ti­on der An­ti­fa-​Ak­tio­nen in­ter­es­siert.

Gross fuhr mit Ak­ti­vis­t_in­nen aus Braun­schweig zur So­li­par­ty für die Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne am 01.​06.​2013 im Fisch­la­den in Ber­lin. Wie immer in sei­nem Auto.

Am 15.-16.​06.​2013 fand ein Vor­be­rei­tungs­tref­fen für eine Blo­cka­de­ak­ti­on in Wiet­ze statt. Gross tauch­te kurz dort auf. Es ist un­klar, wie er über­haupt von dem Tref­fen er­fuhr. Er selbst ver­brei­te­te wi­der­sprüch­li­che Ver­sio­nen. In der fol­gen­den Zeit nahm er an meh­re­ren Vor­be­rei­tungs­tref­fen im Kam­pa­gnen­bü­ro Braun­schweig für das Ak­ti­ons­camp im Juli bei Wiet­zen teil.

Vom 06.-08.​07.​2013 war Gross bei der Vor­be­rei­tung für die Blo­cka­de­ak­ti­on in Wiet­ze dabei. Die Blo­cka­de am 08.​07. schei­ter­te, da die Ak­ti­ven schon kurz vor der Schlacht­fa­brik von einem Groß­auf­ge­bot der Po­li­zei ge­stoppt wur­den.
Link: http://​antiindustryfarm.​blogsport.​de/​2013/​07/​09/​riesiges-polizeiaufgebot-schuetzt-schlachtfabrik/#​more-264
Die Ak­ti­ven er­hiel­ten Platz­ver­wei­se, die be­reits am 05.​08. aus­ge­stellt wor­den waren. Als eine Per­son gegen den Platz­ver­weis klag­te und Ak­ten­ein­sicht be­an­trag­te, er­hielt sie die Akte mit teil­wei­se ge­schwärz­ten Namen.
Nach der ge­schei­ter­ten Blo­cka­de wurde ein zwei­ter Ver­such ge­plant. Gross zeig­te star­kes In­ter­es­se.

Vom 11.-16.​07. be­tei­lig­te er sich am Ak­ti­ons­camp gegen Tier­fa­bri­ken bei Wiet­zen. Auf­fäl­lig war sein Des­in­ter­es­se an Work­shops, Vor­trä­gen und Ak­ti­ons­for­men wie Stra­ßen­thea­ter.
Die sehr kurz­fris­tig ge­plan­te Blo­cka­de der Schlacht­fa­brik in Holte am 12.​07. ge­lang, ob­wohl Gross bei den Vor­be­rei­tun­gen kurz dabei war. Er hatte Auf­ga­ben bei der Blo­cka­de über­nom­men.

Vom 30.​09.-02.​10.​2013 fand in Ham­burg eine Dau­er­mahn­wa­che gegen das Tier­ver­suchs­zen­trum LPT statt. Gross fuhr zu­sam­men mit Ak­ti­ven der Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne hin.

Vom 18. – 20.​10.​2013 fand ein Per­spek­tiv­en­tref­fen der Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne statt, an dem Gross teil­nahm. Er ver­such­te Leute zu mi­li­tan­ten Ak­tio­nen an­zu­sta­cheln und be­schwer­te sich über das „la­sche“ Vor­ge­hen der Kam­pa­gne.

Am 28.​10.​2013 war Gross bei einem Blo­cka­de­ver­such der Schlacht­fa­bri­ken in Wiet­ze und Wiet­zen dabei. Am sehr ab­ge­le­ge­nen Vor­be­rei­tungs­ort fiel auf, dass die Ak­ti­vis­t_in­nen von der Po­li­zei ob­ser­viert wur­den. Sehr kurz­fris­tig wurde die ge­sam­te Pla­nung ein­schließ­lich des Ak­ti­ons­orts ge­än­dert. Die Po­li­zei kann­te den­noch jedes De­tail und konn­te die Blo­cka­de ver­hin­dern. Gross schrieb wäh­rend der Pla­nung viel mit und be­hielt den Über­blick.

Am 25.​11.​2013 nahm Gross an einer Mahn­wa­che der BI in Wiet­ze teil. Dies ist sein letz­tes be­kann­tes Auf­tau­chen in po­li­ti­schen Zu­sam­men­hän­gen.

Gross‘ Auf­tre­ten und Auf­fäl­lig­kei­ten

Gross be­haup­te­te, von Hartz IV, Früh­ren­te und von zu­sätz­li­cher Un­ter­stüt­zung durch sei­nen gro­ßen Bru­der zu leben. Da­durch hatte er Zeit an vie­len, oft auch über­re­gio­na­len Ak­tio­nen, teil­zu­neh­men. Dabei nahm er sehr häu­fig Leute in sei­nem Auto mit. Er ver­brei­te­te, dass er chro­nisch krank sei (was wahr­schein­lich auch stimmt) und daher so­wie­so zu Arzt­ter­mi­nen in den je­wei­li­gen Orten müsse. Durch die Krank­heit hatte er aber auch immer eine Be­grün­dung, sich bei Sa­chen raus­zu­zie­hen und Ver­ab­re­dun­gen wie­der ab­zu­sa­gen. Aus dem sel­ben ver­meint­li­chen Grund über­nahm er keine her­aus­ge­ho­be­nen Rol­len bei Ak­tio­nen.

Er er­zähl­te au­ßer­dem, er sei auf Be­wäh­rung, weil er die Deut­sche Bank be­tro­gen habe. Gross be­rich­te­te immer wie­der nicht nach­prüf­ba­re Ge­schich­ten, wie er ver­folgt würde. Er sei auf dem Weg zu einem Ge­richts­pro­zess an­ge­hal­ten wor­den, der Staats­schutz habe ver­sucht, über seine Be­wäh­rungs­hel­fe­rin Druck zu ma­chen, der Staats­schutz Celle (oder auch der Ver­fas­sungs­schutz) habe wegen einem Auf­ruf auf Face­book vor sei­ner Tür ge­stan­den (er frag­te nach, ober ihnen fal­sche In­for­ma­tio­nen geben soll) etc.

Gross in­sze­nier­te immer wie­der seine ei­ge­ne Ent­schlos­sen­heit und ver­meint­li­che Ra­di­ka­li­tät, wobei er sich bei in­halt­li­chen De­bat­ten stets her­aus­hielt. Von dem Schlacht­hof in Wiet­ze habe er er­fah­ren, als das Job­cen­ter ihn dort­hin ver­mit­teln woll­te, was er aber aus ethi­schen Grün­den ver­wei­gert habe. Er er­zähl­te von sei­nem an­geb­li­chen En­ga­ge­ment in einer Bür­ger­initia­ti­ve gegen eine Schwei­ne­mast­an­la­ge in We­din­gen (Harz). Die BI frus­trie­re ihn schon seit län­ge­ren, da es den Ak­ti­ven vor allem um Ge­stank und Lärm­be­läs­ti­gung ginge. Gross be­ton­te da­ge­gen, dass ihm das Leid der Tiere sehr na­he­gin­ge. Er und seine Frau hät­ten vor ei­ni­ger Zeit zwei Pfer­de in einer Nacht-​und-​Ne­bel-​Ak­ti­on be­freit. Gross ver­such­te, an­de­re zu il­le­ga­li­sier­ten/mi­li­tan­ten Ak­tio­nen an­zu­stif­ten.

Zu Be­ginn sei­ner In­fil­tra­ti­ons­ver­su­che fiel Gross durch sei­nen Sprach­ge­brauch auf. Re­gel­mä­ßig ver­wen­de­te er se­xis­ti­sche Aus­drü­cke, z.B. in Bezug auf seine Part­ne­rin, was in der Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne mit ihrem eman­zi­pa­to­ri­schen An­spruch vie­len übel auf­stieß. Mit der Zeit pass­te er seine Aus­drucks­wei­se je­doch mehr und mehr an.

Was Per­sön­li­ches und Emo­tio­na­les an­ging, war Gross eher zu­rück­hal­tend. Zu den meis­ten Ak­ti­ven pfleg­te er einen eher funk­tio­na­len, we­ni­ger freund­schaft­li­chen Kon­takt (es gab al­ler­dings durch­aus Aus­nah­men). Er war al­ler­dings immer in­ter­es­siert daran, wo Leute ge­ra­de woh­nen oder hin­rei­sen wol­len. Gross nutz­te zwei Han­dys, mach­te aber nur eins davon be­kannt.

Gross er­zähl­te nicht viel aus sei­ner Bio­gra­fie, dass was er er­zähl­te war aber oft leicht wi­der­sprüch­lich. Wie genau zum Bei­spiel der an­geb­li­che Be­trug der Deut­schen Bank – oder auch der Deut­schen Post – ab­lief und was seine Rolle dabei ge­we­sen war, blieb stets sehr un­klar. Zwar wurde auch nie näher da­nach ge­fragt, aber für ei­ni­ge sei­ner Ver­sio­nen der Ge­schich­te er­schien seine an­geb­li­che bloße Be­wäh­rungs­stra­fe schon reich­lich un­wahr­schein­lich.
Freun­de oder Be­kann­te von Gross waren nie­man­den be­kannt. Bei einem über­ra­schen­den Be­such bei ihm zu Hause (zu die­sem Zeit­punkt war der Ver­dacht gegen ihn be­reits sehr stark) wirk­te sein Haus zwar be­wohnt, er hatte aber Fleisch im Kühl­schrank (das an­geb­lich sei­ner Part­ne­rin ge­hör­te) und hielt Hunde in einem Zwin­ger. Gross hatte im No­vem­ber ’13 eine Fahrt mit dem Pfer­de­schlit­ten bei sich zu Hause vor­ge­schla­gen – eine ziem­li­che Ab­sur­di­tät unter Tier­be­frei­ungs­ak­ti­vis­t_in­nen.

Im Vor­feld der ge­schei­ter­ten Blo­cka­de­ak­ti­on am 28.​10.​2013 re­agier­te er auf­fäl­lig ner­vös auf die Frage, ob sich je­mand sei­nen Lap­top aus­lei­hen kann. Er zog sich al­lei­ne in ein Zim­mer zu­rück. Als eine Per­son dort her­ein­platz­te, konn­te sie sehen, dass er Text­do­ku­men­te ge­öff­net hatte. Als er den Lap­top spä­ter über­gab, fand sich dort kein ein­zi­ges Text­do­ku­ment. Es lie­ßen sich auch keine zuvor ge­öff­ne­ten Do­ku­men­te wie­der her­stel­len.

Gross schrieb bei Vor­be­rei­tungs­tref­fen viel und auch Namen mit. Er woll­te immer genau ver­ste­hen, wer was macht und die Leute ken­nen­ler­nen. In der Ten­denz (!) schei­ter­ten Ak­tio­nen, bei denen er mit­tel-​ bis lang­fris­tig in die Vor­be­rei­tung ein­be­zo­gen wor­den war. Ak­tio­nen ohne ihn funk­tio­nier­ten bes­ser. Wäh­rend Ak­tio­nen ver­schwand Gross immer wie­der kurz­zei­tig, ohne das klar war, warum.

Ent­tar­nung

Be­son­ders das im letz­ten Ab­satz Ge­schil­der­te führ­te dazu, dass eine klei­ne Grup­pe miss­trau­isch wurde. Von ihr ging die In­itia­ti­ve aus, sich in einem grö­ße­ren Kreis zu­sam­men­zu­set­zen. In die­ser Runde wurde eine Be­dro­hungs­ana­ly­se für den ei­ge­nen Zu­sam­men­hang er­stellt. Fast alle hier­für in der Bro­schü­re „Schö­ner Leben ohne Spit­zel“ vor­ge­schla­ge­nen Fra­gen bei Spit­zel­ver­däch­ti­gun­gen konn­ten mit Ja be­ant­wor­tet wer­den. Au­ßer­dem wur­den die oben ge­nann­ten Auf­fäl­lig­kei­ten in Gross‘ Ver­hal­ten zu­sam­men­ge­tra­gen.
Zwi­schen­zeit­lich kam es bei einem Un­ter­stüt­zer in Wiet­ze zu einem An­quatsch­ver­such durch den Staats­schutz. Hier­bei ent­stand der Ein­druck, dass be­reits ein Spit­zel in dem be­trof­fe­nen Zu­sam­men­hän­gen un­ter­wegs sein könn­te.

Nach­dem sich der Ver­dacht er­här­tet hatte, wur­den wei­te­re Nach­for­schun­gen an­ge­stellt. Die Grup­pe er­hielt Zu­gang zu Gross‘ E-​Mail-​Kon­to und sei­nem Face­book­pro­fil. In sei­nem Mail-​Ac­count fan­den sich die oben be­schrie­be­nen Wei­ter­lei­tun­gen von Mails der An­ti­rep­netz-​Lis­te. In sei­nem Face­book­pro­fil fand sich ein Chat­pro­to­koll mit Ste­fan K. Darin sagte Gross den ge­mein­sa­men Be­such eines Fuß­ball­spiels mit fol­gen­dem Grund ab: „Habe viel Lust, muss aber Stei­ne wer­fen in Ham­burg. LPT [ein Tier­ver­suchs­la­bor, gegen das der­zeit eine Kam­pa­gne läuft] oder ir­gend­ein an­de­rer Grund, Pelze, Schwei­ne oder bru­ta­ler Um­gang mit Ge­mü­se­zwie­beln.“. In ähn­lich re­spekt­lo­ser und wenig krea­ti­ver Weise geht das Ge­spräch wei­ter.

Un­ge­fähr zu die­ser Zeit wurde Gross ein fik­ti­ver Blo­cka­de­ter­min mit­ge­teilt. Es ge­lang, einen Mit­schnitt von einem Han­dy­te­le­fo­nat in Gross‘ Auto an­zu­fer­ti­gen, der do­ku­men­tier­te, wie er die­sen Ter­min an eine un­be­kann­te Per­son wei­ter­gab. Gross war mit Si­cher­heit klar, dass über der­ar­ti­ge Ak­tio­nen nicht am Te­le­fon ge­spro­chen wird – grund­sätz­lich nie­mals und schon gar nicht nach dem Auf­flie­gen zwei­er Blo­cka­de­ver­su­che in jüngs­ter Zeit.

Nach­dem diese Be­wei­se zu­sam­men­ge­tra­gen wor­den waren, wurde Gross im De­zember in einem Ge­spräch mit dem Spit­zel­vor­wurf kon­fron­tiert. Er stritt alles ab und ver­such­te Em­pö­rung wegen den gegen ihn ge­rich­te­ten Re­cher­che­me­tho­den vor­zu­täu­schen, wirk­te aber auf viele der An­we­sen­den eher auf­fäl­lig ruhig und kei­nes­wegs über­rascht. Gleich­zei­tig äu­ßer­te er aber immer wie­der Ver­ständ­nis für das Be­ste­hen des Ver­dachts, den er in dem mehr­stün­di­gen Ge­spräch aus­zu­räu­men ver­such­te. Dabei ver­wi­ckel­te er sich aber in wei­te­re Wi­der­sprü­che.

Er räum­te die Wei­ter­ga­be sen­si­bler In­for­ma­tio­nen, ein­schließ­lich des mit­ge­schnit­te­nen Te­le­fo­nats in sei­nem Auto, ein. Diese habe er an ein Mit­glied einer Grup­pe in einer an­de­ren Re­gi­on (Gross nann­te den Grup­pen­na­men) wei­ter­ge­ge­ben. Er habe sie zu mehr Ak­tio­nen mo­ti­vie­ren bzw. all­ge­mein in­for­mie­ren wol­len. Gross war tat­säch­lich eine Per­son in die­ser Grup­pe be­kannt, al­ler­dings gab er im Ge­spräch einen fal­schen Namen an. Er nann­te im Lauf des Ge­sprächs un­ter­schied­li­che Zeit­punk­te, seit denen er die Per­son ken­nen würde. Zu dem kon­kre­ten Te­le­fo­nat im Auto sagte er mal, er habe die Per­son di­rekt er­reicht und ein an­de­res mal, er habe ihr auf die Mail­box ge­spro­chen.

Auch die Wei­ter­lei­tung von Mails an „Fritz Fuchs“ räum­te Gross ein: Das sei ein alter Kum­pel aus sei­ner Punk- bzw. Ju­gend­zeit, den er vor drei oder vier Jah­ren im Zug wie­der­ge­trof­fen habe. (Spä­ter sprach er von zwei Jah­ren.) Er wolle „Fritz“ für „die Sache“ be­geis­tern, habe ihm des­halb die E-​Mails zu­kom­men las­sen und manch­mal auch in Bad Harz­burg oder Gos­lar ge­trof­fen. (Das letz­te Mal vor ein paar Wo­chen in Gos­lar am Bahn­hof.) Ob „Fritz“ ihm auch mal eine Mail ge­schrie­ben habe, wisse er nicht. Den Nach­na­men von „Fritz“ kenne er auch nicht. Spä­ter nann­te er ihn ein „blö­des Arsch­loch“ Eine halbe Stun­de spä­ter be­haup­te­te er, einen Teil der Mails (die kom­men­tier­ten) nicht zu ken­nen. Je­mand müsse sie ihm un­ter­ge­scho­ben haben. Noch spä­ter brach­te er hier­für seine Frau ins Spiel, da sie mit sei­nem En­ga­ge­ment nicht ein­ver­stan­den sei. Er schrieb die Wohn­adres­se von „Fritz“ auf, be­haup­te­te aber spä­ter, es sei die von sei­nem Bru­der. Er sei ein­mal bei Fritz Zu­hau­se ge­we­sen aber wisse nicht mehr, wo der wohne. Noch spä­ter mein­te er, sein Nach­na­me sei viel­leicht „Paul“, er wohne mit sei­ner Freun­din zu­sam­men.

Eine Per­son „Fritz Fuchs“ exis­tiert wahr­schein­lich nicht. Gross hat in sei­ner Er­zäh­lung lange Pause ge­macht und ge­zö­gert, bevor er nach und nach die Ge­schich­te wei­ter ge­spon­nen hat. Auf­fäl­lig war auch, dass er im Ver­lauf der mehr­stün­di­gen Be­fra­gung wie­der­holt in Bul­len­sprech ver­fiel (z.B. habe er ver­sucht „Leute für den Tier­schutz zu ge­ne­rie­ren“). Au­ßer­dem schrieb er Fritz im Plu­ral („ihr“) an oder auch in einer Mail mit „Jür­gen“.

Die Ge­sprächs­grup­pe hatte mit einem sol­chen Sze­na­rio (Be­reit­schaft zu einem 3,5 stün­di­gen Ge­spräch in gro­ßer Runde, dabei aber be­harr­li­ches Ab­strei­ten) nicht ge­rech­net. Die Be­tei­li­gung zu vie­ler Leute an der Ge­sprächs­füh­rung wurde von man­chen als kon­tra­pro­duk­tiv er­lebt.

Di­rekt im An­schluss stie­gen Leute mit Gross in sein Auto, um mit ihm zu sei­nen Bru­der zu fah­ren. Die Fahrt ging zur Vir­chow­stra­ße 24 in Gos­lar, einem mehr­stö­cki­gen Plat­ten­bau. Dort gab es einen Brief­kas­ten mit dem Namen „W. Gross“, aber kein da­zu­ge­hö­ri­ges Klin­gel­schild. Gross be­haup­te­te nun, sein Bru­der habe dort noch letz­te Woche, (we­ni­ge Stun­den zuvor hatte er von „ges­tern“ ge­spro­chen) zu­sam­men mit sei­ner Frau ge­wohnt und zwar seit 2 oder 3 Jah­ren; von einem Umzug wisse er nichts. Nach­barn ver­nein­ten, dass ein Herr Gross in dem Haus lebte. Der Brief­kas­ten war ihnen zum Teil auch schon ko­misch auf­ge­fal­len.

Die Fahrt ging wei­ter zu Ralf Gross‘ Haus, um sich E-​Mails auf sei­nem Lap­top an­zu­schau­en. Lei­der waren just an die­sem Tag an­geb­lich Te­le­fon und In­ter­net de­fekt. Trotz­dem stell­te Gross sei­nen Lap­top zur Ver­fü­gung. Es wur­den per E-​Mail-​Cli­ent wei­te­re Mails an fritz.​fuchs24@​yahoo.​de Adres­se ge­fun­den, dies­mal ge­sen­det von ralfgross6@​alice.​de. Eine die­ser Mails war an einen Jür­gen adres­siert. Gross mein­te, Jür­gen sei Fritz be­kannt ge­we­sen, er habe die Mail wei­ter­lei­ten sol­len. Teil­wei­se wird „Fritz“ in den Mails auch als „Hol­ger“ an­ge­spro­chen, was Gross nicht er­klä­ren konn­te. Er stritt ab, die Mails ge­schrie­ben zu haben.

Als am fol­gen­den Tag Leute vor Ralf Gross‘ Haus auf­tauch­ten, wur­den sie von der Po­li­zei kon­trol­liert und weg­ge­schickt. Die hier­für ge­ge­be­ne Be­grün­dung (ver­däch­tig auf­grund ihres aus­wär­ti­gen Au­to­kenn­zei­chens) war ex­trem schwach und durch­sich­tig.
Der­zeit be­steht kein Kon­takt mehr zu Ralf Gross. Er scheint noch im sel­ben Haus zu woh­nen wie eh und je, laut Nach­bar_in­nen auch schon seit 15 Jah­ren.

Der Fall Gross – Eine Ein­schät­zung

In ra­di­ka­len Be­we­gun­gen tau­chen ir­gend­wann Spit­zel auf. Das ist schon seit lan­gem so und wird sich nicht so ohne wei­te­res än­dern. So ge­se­hen ist das Auf­tau­chen von Ralf Gross keine große Über­ra­schung. Trotz­dem darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass die Ent­tar­nung eines Spit­zels für die be­trof­fe­ne Grup­pe eine hohe emo­tio­na­le Be­las­tung und viel Ar­beits­auf­wand mit sich bringt. Un­si­cher­heit und Miss­trau­en kön­nen sich weit über den be­trof­fe­nen Per­so­nen­kreis hin­aus ver­brei­ten und schlimms­ten­falls ganze Zu­sam­men­hän­ge läh­men. Auch das ist Teil von Re­pres­si­on. Wird dem nicht ent­ge­gen­ge­steu­ert, kann der Scha­den weit grö­ßer sein als das, was der Spit­zel selbst an­ge­rich­tet hat.

Ziel von staat­li­cher Re­pres­si­on wird ten­den­zi­ell, wer be­ste­hen­de Aus­beu­tungs-​ und Herr­schafts­ver­hält­nis­se in Frage stellt. (Oder es zu­min­dest in den Augen des Staa­tes tut). Dass es ge­ra­de die Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne ge­trof­fen hat, ist kein Zu­fall. Spek­ta­ku­lä­re Be­set­zun­gen, Blo­cka­den, Re­cher­che­bil­der aus den Mast­an­la­gen und an­de­re öf­fent­li­che Ak­tio­nen haben of­fen­sicht­lich ei­ni­gen Stel­len ziem­lich weh getan. Au­ßer­dem wur­den in den letz­ten Jah­ren von Un­be­kann­ten meh­re­rer Mast­an­la­gen kurz vor ihrer In­be­trieb­nah­me ab­ge­brannt, wor­über Akt­vis­t_in­nen der Wiet­ze/n Kam­pa­gne be­rich­te­ten , ohne sich zu dis­tan­zier­ten. Schaut mensch sich die De­bat­ten nach die­sen Ak­tio­nen an, wird klar, dass wir es hier mit Re­pres­si­on auf An­sa­ge zu tun haben.

Es hat die Wiet­ze/n-​Kam­pa­gne aber nicht ein­fach nur wegen wirk­sa­men Ak­tio­nen ge­trof­fen. Der in­fil­trier­te Zu­sam­men­hang übt mit den ver­schie­dens­ten Mit­teln eine grund­sätz­li­che Kri­tik an dem Sys­tem der Mast- und Schlacht­fa­bri­ken. Da­durch wer­den ähn­lich große, z.T. die­sel­ben Krei­se er­reicht wie mit der re­for­mis­ti­schen Kri­tik an der Mas­sen­tier­hal­tung. Die Kam­pa­gne bleibt aber nicht bei den Sym­pto­men des Pro­blems Tier­hal­tung ste­hen, son­dern be­nennt diese als in­te­gra­len Teil ka­pi­ta­lis­ti­scher Pro­duk­ti­ons­wei­sen und eines herr­schaft­li­chen Mensch-​Tier-​Ver­hält­nis­ses. Ab­ge­schafft wer­den kann der Miss­stand nur durch eine grund­le­gen­de ge­sell­schaft­li­che Um­wäl­zung. Und genau das sol­len Leute wie Gross ver­hin­dern.

Ralf Gross ist als Agent Pro­vo­ca­teur auf­ge­tre­ten, hat ver­sucht, Leute zu mi­li­tan­ten Ak­tio­nen zu mo­ti­vie­ren, ver­mut­lich, um sie spä­ter ans Mes­ser lie­fern zu kön­nen. Der Skan­dal ist aber nicht mi­li­tan­te Po­li­tik an sich, ge­nau­so wie es Quatsch wäre, zu glau­ben, re­vo­lu­tio­nä­re Po­li­tik wäre ohne den Spit­zel nie­mals mi­li­tant. Ent­schei­dend ist, dass die Wahl der Mit­tel Sache der je­wei­li­gen po­li­ti­schen Be­we­gun­gen sein muss. Jeder of­fe­ne oder ver­deck­te Ver­such der staat­li­chen Ein­mi­schung in diese Ent­schei­dung ist un­er­träg­lich. Genau wie das meis­te an­de­re, was die­ser Staat so macht.

Wie kann eine Ant­wort auf den Fall Gross aus­se­hen? Je mehr Per­so­nen und Grup­pen dar­über nach­den­ken und aktiv wer­den, desto an­ge­mes­se­ner dürf­te sie aus­fal­len. Drei Punk­te las­sen sich auf jeden Fall fest­stel­len:
1.) Da linke Be­we­gun­gen sich noch auf ab­seh­ba­re Zeit mit Spit­zeln her­um­schla­gen wer­den müs­sen, ist ein Er­fah­rungs­aus­tausch zum Thema not­wen­dig. Mit dem 2004 bei As­so­zia­ti­on A er­schie­ne­nen Buch „Spit­zel. Eine klei­ne So­zi­al­ge­schich­te“, der Bro­schü­re „Schö­ner Leben ohne Spit­zel“ von der ALB und den aus­führ­li­chen Be­rich­ten zur Ent­tar­nung von Simon Brom­mer/Bren­ner sind wich­ti­ge Schrit­te ge­macht wor­den. Die­ser Text ver­steht sich als ein wei­te­rer klei­ner Bei­trag.
2.) Jetzt erst recht: Po­li­tisch aktiv wer­den für eine ra­di­kal be­frei­te Ge­sell­schaft! Falls ihr es schon seid, dann bleibt dabei. Über­prüft ge­ge­be­nen­falls in aller Ruhe den Selbst­schutz eures Zu­sam­men­hangs. Seid dabei aber auf­merk­sam, dass das Ganze nicht in Pa­ra­noia, Miss­trau­en und aus­schlie­ßen­dem Rum­ge­ma­cker aus­ar­tet.
3.) Übt prak­ti­sche So­li­da­ri­tät mit dem be­trof­fe­nen Zu­sam­men­hang!

Kommt zur De­mons­tra­ti­on am 8.2. ab 13:00 Uhr am Stein­tor (Han­no­ver). Und / oder über­legt Euch ei­ge­ne Ak­tio­nen.

Für eine Ge­sell­schaft, die keine Spit­zel braucht!